Fachbeiträge der bbr-Ausgabe 2-2026

 

Abstände zwischen Gashochdruckleitungen und Windenergieanlagen
Durch den Ausbau des Leitungsnetzes für Erdgas und Wasserstoff werden neue Gashochdruckleitungen erforderlich, deren Plantrassen häufig Gebiete mit vorhandenen und geplanten Windenergieanlagen (WEA) tangieren. Da bei einem Schaden an einer WEA nicht ausgeschlossen werden kann, dass Teile herabfallen oder abgeworfen werden, besteht ein Risiko für Beschädigungen an nahegelegenen Gashochdruckleitungen. Geeignete Mindestabstände zwischen betreffenden Leitungen und WEA sind erforderlich. Die bisherigen Regeln aus dem Jahr 2015 decken die modernen Anlagen mit hoher Nennleistung und Größe nicht ab, da diese größere Nabenhöhen, Blatt oder Gondelmassen aufweisen, als bisher berücksichtigt. Im aktuellen DVGW-Forschungsvorhaben G202418 wurde eine neue Grundlage für die Regelung der Abstände unter Berücksichtigung moderner Anlagengrößen verfolgt, die neben der einfachen Anwendung auch eine Abdeckung möglichst vieler Leitungs- und Anlagenkonstellationen ermöglicht. Im Rahmen dieses Fachbeitrages werden der neue Bewertungsansatz und die Ergebnisse vorgestellt.
Autoren: Dr. Christian Mayer, Dr. Jochen Stratmann (TÜV Rheinland, Open Grid Europe)

 

Prozessoptimierung: Digitalisierung im Leitungsbau
Digitalisierung und Künstliche Intelligenz im Leitungsbau sind längst keine Zukunftsthemen mehr, sondern eine notwendige Entwicklung und mittlerweile Grundlage für eine moderne und wettbewerbsfähige Branche, um den aktuellen Herausforderungen zu begegnen. Der zunehmende Kapazitätsmangel macht es erforderlich, Prozesse effizienter, nachhaltiger und transparenter zu gestalten und Mitarbeitende bestmöglich zu entlasten. Digitale Lösungen wie automatisierte Kalkulationstools, digitale Bauakten oder cloudbasierte Projektmanagement-Systeme helfen dabei, repetitive Aufgaben zu minimieren und Ressourcen gezielt einzusetzen. Unternehmen, die frühzeitig auf digitale Prozesse setzen, können mit der gleichen Anzahl an Mitarbeitenden mehr Projekte umsetzen und gleichzeitig die Qualität ihrer Arbeit steigern.
Autoren: Silco Bredehöft, Stefan Jentsch, Christoph Schmidt, Paul Šrajbr (Rohrleitungsbauverband e. V.)

 

Umfangreiche Sanierungsarbeiten in Bad Salzhausen – HS-Kanalrohrsystem für anspruchsvolle Einsatzbereiche
Die Bauarbeiten in der Liebigstraße in Bad Salzhausen starteten Mitte Mai 2025. Bis Ende 2026 sollen in drei Abschnitten Wasserleitungen, Kanal und Straße erneuert werden. Der Zweckverband Oberhessischer Versorgungsbetriebe (ZOV) setzt bei der Sanierung des Mischwasserkanals auf ein modernes Kanalrohrsystem der Funke Kunststoffe GmbH, das den Heilbad-Anforderungen entspricht, langlebig ist und durch kompatible Systemkomponenten überzeugt.
Autorin: Katharina Fehst (Funke Kunststoffe)

 

Brunnenbauarbeiten für den dotSource Campus in der Wissenschaftsstadt Jena
Die dotSource Headquarter GmbH mit Sitz in Jena plant den Neubau eines Wohn- und Bürogebäudes mit zwei Untergeschossen in der Saalbahnhofstraße, der Käthe-Kollwitz-Straße und Am Anger. Für die Baugrubenherstellung ist eine aufwändige Wasserhaltung und eine Grundwasserüberleitung erforderlich. Es erfolgt eine geothermische Aktivierung der bewehrten Verbau- und Gründungspfähle.
Autor: Henning Thormann (WhC)

 

Das Geothermie- Beschleunigungsgesetz: Inhalt, Reichweite und praktische Folgen
Mit dem Geothermie-Beschleunigungsgesetz schafft der Gesetzgeber Erstmals ein eigenständiges Gesetz für den Ausbau der Geothermie. Der Beitrag analysiert die neuen Beschleunigungsinstrumente Und die konkreten Auswirkungen auf Genehmigungspraxis, Planungssicherheit und Investitionsentscheidungen.
Autoren: Florian Stanko, Gregor Dilger, Dr. Georg Buchholz (Bundesverband Geothermie e.V., Gaßner, Groth, Siederer & Coll.)

 

Geothermie als Basis der Wärmeversorgung in Prenzlau
Die Stadt Prenzlau steht vor einem Wendepunkt in der Energieversorgung: Mit Blick auf Klimaschutz, lokale Wertschöpfung und Versorgungssicherheit gewinnt die Nutzung erneuerbarer Energien zunehmend an Bedeutung. Insbesondere die Geothermie eröffnet hier attraktive Möglichkeiten, die Wärmeversorgung grundlastfähig, nachhaltig und emissionsfrei zu gestalten. Während die Nutzung geothermischer Energie in Prenzlau bereits eine lange Tradition hat, erfolgt aktuell der Wiederaufbau einer modernen geothermischen Infrastruktur, welche das Fernwärmenetz der Stadt künftig maßgeblich prägen wird. Dieser Fachartikel gibt einen umfassenden Überblick zum Projektstand, den technischen Herausforderungen und der Integration der Geothermie in das lokale Fernwärmenetz.
Autoren: Dr. André Deinhardt, Tristan Buresch, Frank Hoffmann, Stefan Lebwohl, Maximilian Zingelmann (COWI Geothermie GmbH, Stadtwerke Prenzlau)

 

Geothermie für die Großstadt: das Fernwärmeprojekt in Aarhus
Am 31. Oktober 2025 wurde die erste geothermische Anlage in Aarhus, Dänemark, in Betrieb genommen. Die Anlage wurde vom Geothermieunternehmen Innargi in enger Zusammenarbeit mit dem Versorgungsunternehmen Kredsløb sowie der Stadt Aarhus entwickelt. Die neue Anlage ist der erste Schritt zu Aarhus’ „Fernwärme der Zukunft“ und zugleich Startpunkt des größten zusammenhängenden geothermischen Fernwärmesystems der EU, das bis 2030 bis zu 20 % des Wärmebedarfs der Stadt decken soll.
Autoren: Conni Lagergreen Schmidt (INNARGI A/S)