Fachbeiträge der bbr-Ausgabe 4-2026
Transport H₂S-haltiger Medien: Herausforderungen für Sauergas und CCUS-Anwendungen
Längsnahtgeschweißte Großrohre, die Schwefelwasserstoff (H2S)-haltige Medien transportieren, müssen gegen Wasserstoff-beeinflusste Schädigungen wie Sulfidspannungsrisskorrosion (SSC) und wasserstoffinduzierte Rissbildung (HIC) beständig sein. Hierzu gibt es langjährige Erfahrungen aus dem Transport saurer Erdgase. Während Sauergasleitungen für immer höhere H2S-Gehalte im Gas zunehmend an Bedeutung gewinnen, rückt seit Kurzem auch der Transport von aus industriellen Prozessen abgeschiedenem Kohlenstoffdioxid (CO2) im Rahmen von CCUS-Projekten in den Fokus, wo H2S als Verunreinigung in höheren Konzentrationen auftreten kann.
Autoren: Dr. Christopher Bosch, Dr. Thomas Haase (Europipe GmbH, Salzgitter Mannesmann Forschung GmbH)
Substanzerhaltung im Kanalnetz von Frankfurt am Main – den Römern mit moderner Technik nacheifern
Die Stadtentwässerung Frankfurt am Main (SEF) betreibt ein über 1.600 km langes Kanalnetz mit ca. 34.000 Haltungen und Schächten und einem Gegenwartswert von vielen Milliarden Euro. Die fast ausschließlich unterirdischen Kanäle und Bauwerke haben Größen von einigen Zentimetern bis zu mehreren Metern, verschiedene Formen, sind aus diversen Materialien und befinden sich an sehr unterschiedlichen Stellen unter verschiedensten Randbedingungen (Tiefe, angrenzende Bebauung, Oberflächen, Verkehrsbedingungen usw.). Ein Drittel dieser Anlagen ist zudem inzwischen über 75 bis fast 160 Jahre alt.
Autor: Michael Voß (Stadtentwässerung Frankfurt am Main)
Instandhaltung von Trinkwassernetzen mittels innovativem Keyhole-Verfahren
Hydrant kaputt? Hausanschlusstrennung notwendig? Um Reparaturen am Trinkwassernetz durchzuführen, ist ein im wahrsten Sinne des Wortes großer Aufriss notwendig: Asphalt aufbrechen, Baugrube herstellen, Verbau einrichten und nach der Instandsetzung die Baugrube wieder verfüllen und die Oberfläche neu asphaltieren. Ein ressourcen- und zeitintensiver Kraftakt, der eigentlich für die Reparatur selbst nicht notwendig wäre. Was müsste passieren, um auf all das Beiwerk verzichten zu können? Mit dem Ziel, nicht wertschöpfende Nebentätigkeiten weitestgehend zu vermeiden, eröffnet der Ansatz des Keyhole-Verfahrens vielversprechende Perspektiven für die Zukunft der Instandhaltung von Trinkwassernetzen.
Autoren: Christopher Herzog, Mustafa Kaya, Martin Hartwich (HAMBURG WASSER)
GFK-Vortriebsrohre und unterirdische Stromleitungen: die starke Verbindung für sichere Energietrassen
Deutschland strebt bis 2045 Klimaneutralität an – ein Beitrag zur Einhaltung des 1,5-Grad-Ziels des Pariser Klimaabkommens [1]. Der Ausbau erneuerbarer Energien und der Stromtransport von Nord nach Süd sind hierfür zentrale Bausteine. Für grabenlose Bauweisen in dichtbesiedelten Gebieten, Kreuzungsbereichen (Straßen, Schienen, Wasserwege) oder sensiblen Infrastrukturbereichen sind GFK-Schutzrohre die Lösung: Per Vortriebsverfahren verlegt, schützen die durchweg nichtleitenden Rohre sowohl Erdkabel als auch die Umgebung dauerhaft.
Autoren: Mario Frieben, Alexander Dörfer (Amiblu Germany GmbH)
Trinkwasserversorgung Bad Rodach – Komplexe Sanierung am Beispiel des Tiefbrunnen I
Die Kurstadt Bad Rodach im Coburger Hügelland liegt an den südlichen Ausläufern des Thüringer Waldes. Sie ist überregional bekannt für ihre Kureinrichtungen und Thermalbadelandschaften mit Solebecken, Saunen, Wannen- und Bewegungsbädern, Entspannungstepedarien und weiteren Kuranwendungen. Heilanzeigen sind rheumatische Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates, postoperative oder posttraumatische Rehabilitationsmaßnahmen und Frauenkrankheiten. Im Umfeld der Thermal und Kureinrichtungen haben sich die Besucher- und Touristenzahlen sowie das Gesundheitswesen über Jahre gut entwickelt. Wesentliche Voraussetzung für die Anerkennung und Beibehaltung des Prädikats Kurbad ist eine einwandfrei funktionierende Trinkwasserversorgung. Die Stadtwerke von Bad Rodach sind sich dieser Verantwortung bewusst und investieren seit Jahren kontinuierlich in die Sicherstellung ihrer Trinkwasserversorgung.
Autoren: Andreas Gartiser, Florian Zmija (Gartiser, Germann & Piewak)
Energetische Sanierung einer Doppelhaushälfte aus den 60er-Jahren: ein erfolgreiches Abenteuer – Teil 2
Die 1966 erbaute Doppelhaushälfte (DHH) befindet sich an einem nach Süden einfallenden Hang im Südwesten der Weltkulturerbestadt Bamberg (Oberfranken/Nordbayern). In der Nachbarschaft befinden sich zahlreiche Häuser aus den städtischen Erweiterungen der 50er- bis 70er-Jahre. Die Lage nur etwa 400 bis 500 Meter südöstlich der mittelalterlichen Altenburg und die umliegenden Wiesen- und Waldflächen begründen eine attraktive Wohnlage in geringer Entfernung zur Altstadt.
Autoren: Sabine und Andreas Gartiser, Oliver Betz (Gartiser, Germann & Piewak)
Optimierte Trinkwasserversorgung für den Markt Goldbach
Die Versorgung der Bevölkerung mit frischem, hochwertigem Trinkwasser ist ein Kernbestandteil kommunaler Wasserversorger. Durchschnittlich verbraucht jeder Bürger pro Tag ca. 121 Liter. Trinkwasser ist also ein hohes Gut. Das wissen Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland zu schätzen, wie die Studie TWIS (Qualität und Image von Trinkwasser in Deutschland) aus dem Zeitraum 2023/2024 belegt. Moderne Pumpentechnik hilft maßgeblich beim energieeffizienten Umgang mit der Ressource Trinkwasser – wie ein Praxisbeispiel aus Unterfranken verdeutlicht.
Autoren: Harald Steinbach, Klaus Wiesmeier (Grundfos GmbH, Rolig GmbH)
Sicheres Trinkwasser für ländliche Gebiete im Norden Indiens
Als bevölkerungsreichster Bundesstaat Indiens mit über 241 Millionen Einwohnern steht Uttar Pradesh erheblichen Problemen durch Wasserknappheit gegenüber, die durch geringe Niederschlagsmengen und ein trockenes Klima noch verschärft werden. Im Rahmen der nationalen Initiative „Jal Jeevan Mission“, die allen Haushalten in ländlichen Gebieten Zugang zu sauberem Wasser verschaffen soll, setzt L&T Construction das Rohrbrunnenprojekt in Uttar Pradesh für die Verbesserung der Trinkwasserversorgung in abgelegenen Dörfern des Bundesstaates um, deren Einwohner auf unzuverlässige Wasserquellen angewiesen sind. Das Projekt hat zum Ziel, 6,8 Millionen Menschen in ländlichen Gebieten durch 1,7 Millionen Hausanschlüsse mit sicherem Trinkwasser zu versorgen.
Autorin: Neda Simeonova (Bentley Systems Germany GmbH)