Fachbeiträge der bbr-Ausgabe 05-2026
Realisierung der Inselquerung Baltrum: Bau- und bohrtechnische Umsetzung der Netzanbindungssysteme BalWin3+4
TenneT hat mittlerweile 13 Offshore Netzanschlusssysteme erfolgreich in Betrieb genommen und stellt damit eine Übertragungskapazität von rund 8 Gigawatt bereit – genug, um Millionen Haushalte zuverlässig mit Strom aus der Nordsee zu versorgen. Diese Anbindungen bilden einen zentralen Baustein der deutschen Energiewende und sichern die Integration des stetig zunehmenden Windstroms. Der Ausbau schreitet weiter mit hohem Tempo voran. Bis 2031 sollen neun zusätzliche Offshore-Verbindungen entstehen, was die Einspeisemöglichkeiten von Windenergie auf See deutlich erhöht. Insgesamt steigt die Offshore-Übertragungsleistung damit auf rund 22,8 Gigawatt. Dieser Ausbau verdeutlicht, wie ambitioniert die Energiewende im Küstenraum voranschreitet und wie konsequent TenneT moderne Technik, robuste Bauverfahren und eine enge Abstimmung mit Behörden und Küstenländern einsetzt.
Autor: Jan-Henrik Kupfernagel (TenneT TSO GmbH)
Strom unter dem Strom – der Rhein-Düker für die Energiewende
Eines der wichtigsten Netzausbauprojekte für die Weiterleitung von Offshore-Energie in Deutschland ist das Projekt A-Nord, welches vom Übertragungsnetzbetreiber Amprion geplant und umgesetzt wird und, den gesetzlichen Vorgaben folgend, als Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung in Form von Erdkabeln verlegt wird. Eine besonders komplexe Kreuzungsstelle im Projekt ist die geschlossene Querung des Rheins bei Rees für die Verlegung von sechs Energie- sowie der zusätzlich erforderlichen Begleitkabel. Nach Abwägung aller Querungsmöglichkeiten fiel die Wahl auf die Errichtung eines Dükers etwa 4,0 m unter der Rheinsohle mit einer Gesamtlänge von rund 2.200 m, wovon der eigentliche Dükerabschnitt 660 m umfasst.
Autoren: Thomas Gross, Markus Rützel (Hülskens Wasserbau GmbH & CO. KG, Amprion GmbH)
Effizient und nachhaltig: Grabenloser Trassenbau auf der A-Nord
Die Energiewende erfordert einen massiven Ausbau des Stromnetzes, um Windenergie aus dem Norden zu den Verbrauchern im Süden und Westen zu transportieren. Die A-Nord ist eine von vier neuen Hochleistungs-Gleichstrom-Trassen (HGÜ), die zu diesem Zweck gebaut werden. Auch bei diesem zentralen Infrastrukturprojekt werden die Erdkabel nicht immer im offenen Graben verlegt, sondern schonend grabenlos mit HDD-Technologie. So auch in Geldern, wo ein anspruchsvoller Bauabschnitt der A-Nord mit einem speziell auf den Trassenbau abgestimmten Bohrgerät.
Autorin: Anne Knour (Tracto-Technik GmbH & Co. KG)
Energiezentrale Uferquartier Hörstel – von der Planung bis zur Inbetriebnahme eines kalten Nahwärmenetzes
Im nördlichen Münsterland verantwortet die SWTE Netz GmbH & Co. KG als Netzgesellschaft der Stadtwerke Tecklenburger Land die sichere und zuverlässige Strom- und Erdgasversorgung in den Kommunen Hopsten, Hörstel, Ibbenbüren, Lotte, Mettingen, Recke und Westerkappeln. Darüber hinaus halten die strategischen Partner Westenergie AG und Stadtwerke Osnabrück AG Anteile an der Netzgesellschaft. Im gesamten Versorgungsgebiet werden rund 130.000 Abnehmer mit elektrischer Energie beliefert. Vor dem Hintergrund der energiepolitischen Zielsetzungen zur Dekarbonisierung der Wärmeversorgung sowie der zunehmenden Bedeutung kommunaler Wärmenetzstrategien wurde in der Gemeinde Hörstel die Entwicklung eines innovativen Quartierskonzeptes umgesetzt.
Autoren: David Kemper, Mathias Walke, Enno Steenblock (Josef Beermann GmbH & Co. KG)
Gegen PFAS im Grundwasser: Drei neue Brunnen sorgen für langfristige Versorgungssicherheit in Rastatt
Die langanhaltende PFAS-Belastung des Grundwassers wird vielerorts in Deutschland zunehmend zu einem Problem. Um die Trinkwasserversorgung langfristig zu sichern und außerhalb der bisher bekannten PFAS-Belastung des Grundwasserleiters zu bleiben, beauftragten die Stadtwerke Rastatt GmbH die Abt Wasser- und Umwelttechnik GmbH mit dem Bau neuer Tiefbrunnen im sensiblen Gewinnungsgebiet Rastatter Ried. Die federführende Generalplanung inkl. Bauüberwachung wurde durch die Lindschulte Ingenieurgesellschaft mbH Baden-Baden durchgeführt. Die Planungen der Brunnenbohrungen wurde von dem Ingenieurbüro Dinkelmeyer + Herrmann GmbH umgesetzt. Insgesamt wurden drei Großbohrungen ausgeführt – zwei mit rund 60 Metern Tiefe und 1,8 Metern Endbohrdurchmesser sowie eine weitere mit etwa 34 Metern Tiefe.
Autor: Michael Schulte (Abt Wasser- und Umwelttechnik GmbH)
Erdwärme aus 5.000 m Tiefe: Mammutprojekt zur nachhaltigen Energieversorgung
Die Marktgemeinde Holzkirchen (17.000 Einwohner) steht beispielhaft für eine zukunftsorientierte und klimaneutrale Wärmeversorgung. Mit dem nun erfolgreich abgeschlossenen Transformationsplan im Rahmen der Bundesförderung für effiziente Wärmenetze setzt die Gemeinde ein bundesweit beachtetes Leuchtturmprojekt um. In enger Zusammenarbeit der Gemeindewerke Holzkirchen mit Gammel Engineering wurde ein detaillierter Fahrplan für die vollständige Dekarbonisierung der kommunalen Wärmeversorgung bis 2045 entwickelt. Durch gezielte Projektentwicklung und Förderung verfolgt die Gemeinde konsequent das Ziel, ihre Energieversorgung nachhaltig und unabhängig von fossilen Brennstoffen zu gestalten.
Autorin: Fiona Allan (Gammel Engineering GmbH)
Industriegebäude in Wangen zukunftssicher im Bestand saniert
Das denkmalgeschützte Industriegebäude „Carderie“ in Wangen im Allgäu wurde von einem privaten Investor erworben und trotz Auflagen des Denkmalschutzes sowie Lieferengpässen während der Pandemie zu einem Vorzeige-Projekt umgebaut. Regenwasser vom Dach versorgt die WC-Spülung, Photovoltaik die Elektroinstallation sowie Geothermie den Wärme- und Kältebedarf. Im Fokus stehen die kostensparende Bau- und Betriebsweise sowie das ökologische Motiv der Bauherrschaft. Dadurch wird das Gebäude zu einem Haus der Zukunft mit minimalem Energiebedarf und ohne Versorgungsengpässe.
Autor: Klaus W. König (Sachverständigen- und Fachpressebüro)