Fachbeiträge der bbr-Ausgabe 1-2026
NO-DIG bringt Windenergie schonend an Land
Eine der größten Herausforderungen der Energiewende besteht darin, dezentrale Quellen für grüne Energie mit dem Stromnetz an Land zu verbinden. Besonders die Netzanbindung von Offshore-Windparks ist mit großem zeitlichem, baulichem und finanziellem Aufwand verbunden. Grabenlose Technologie kann diesen Aufwand reduzieren und den Strom auf dem kürzesten Weg an Land bringen, ohne dabei sensible Küstenlandschaften zu beschädigen. Das zeigen die Offshore-Netzanbindungssysteme BalWin1 und BalWin2. Die Leitungstrassen verlaufen durch den Nationalpark Wattenmeer sowie die geschützte Dünenlandschaft der Insel Norderney und werden teilweise grabenlos im Horizontalbohrverfahren (HDD) verlegt. Eine GRUNDORAM-Stahlrohrramme vom Typ TAURUS spielt dabei eine kleine, aber entscheidende Rolle.
Autor: Anne Knour (TRACTO-TECHNIK)
Pionierprojekt unter Denkmalschutz: Gasleitungssanierung mit Primus Line auf dem Südfriedhof in Leipzig
Auf dem Südfriedhof Leipzig führte das Team der Rädlinger primus line GmbH im Herbst 2003 eines der ersten Projekte mit dem damals noch neuartigen Inlinersystem Primus Line aus – die grabenlose Sanierung einer Gasleitung. Mehr als zwanzig Jahre später stellt sich die Frage, was aus der sanierten Leitung geworden ist, ob sie noch in Betrieb steht, wie der Netzbetreiber die damalige Sanierung rückblickend beurteilt – und nicht zuletzt, welche Erkenntnisse die Rädlinger primus line GmbH aus dem Projekt gewinnen konnte.
Autor: Andrea Wohlfarth (Rädlinger primus line)
Hygiene als Voraussetzung für Qualität und Sicherheit in der Trinkwasserversorgung – Wissenswertes (Teil 2)
Die Bedeutung der Hygiene im Rohrleitungsbau hat sich im Laufe der Geschichte stetig (weiter)entwickelt und ist heute ein unverzichtbarer Bestandteil unserer modernen Infrastruktur, um die Qualität unseres wichtigsten Lebensmittels – des Trinkwassers – zu bewahren. Dieser Infopoint soll als Leitfaden dienen, um Fachkräften im Rohrleitungsbau eine fundierte Grundlage beim Thema Hygiene für ihre tägliche Arbeit zu bieten. Er beleuchtet die essenziellen Maßnahmen zur Vermeidung von Kontaminationen während der Planung, des Baus, der Instandhaltung und des Betriebes von Trinkwasserleitungen. Er gibt Einblicke in Themen wie Materialprüfung, Lagerung, Montage, Druckprüfung, Reinigung und Desinfektion – immer mit dem Ziel, höchste Hygienestandards zu gewährleisten.
Autor: Sven Behrmann, Kai Schnippe (Rohrleitungsbauverband e. V.)
Wiederinbetriebnahme stillgelegter Brunnen und Quellfassungen
In Zeiten der zunehmenden und länger benötigten Spitzenverbräuche denken viele Wasserversorgungsunternehmen und Kommunen über eine Wiederinbetriebnahme von stillgelegten und noch nutzbaren Gewinnungsanlagen nach. Aufgrund der zunehmend restriktiven Handhabung von Neuerschließungen ungenutzter Grundwasservorkommen und von Neuerteilungen von Wasserrechten durch die Behörden ist eine erneute Nutzung stillgelegter, aber technisch noch geeigneter Brunnen und Quellfassungen eine interessante Option. In diesem Fachbeitrag werden die Voraussetzungen, Restriktionen und Maßnahmen bis zu einer erfolgreichen Wiederinbetriebnahme von länger stillgelegten, noch nutzbaren Trinkwasserfassungsanlagen zur Spitzenabdeckung der Trinkwasserversorgung beleuchtet.
Autor: Prof. Dr. habil. Christoph Treskatis (apl. Prof. am IWAR, TU Darmstadt)
Projekt „Sozial100%Erneuerbar“ in Wien – Asphaltkollektoren und Erdwärmesonden als Niedertemperatur-Wärmequellen und zur Vermeidung von urbanen Hitzeinseln
Das Projekt „Sozial100%Erneuerbar“ hat eine nachhaltige und zukunftsweisende Lösung für die Energieversorgung im sozialen Wohnbau umgesetzt. Ziel des Projekts war die Entwicklung einer 100 Prozent erneuerbaren Wärme- und Kälteversorgung für eine neu errichtete Wohnhausanlage in Wien, die keine fossilen Brennstoffe verwendet und klimafreundliche Energiekonzepte integriert. Das Projekt kombiniert unter anderem Geothermie, Abwasser-Wärmerückgewinnung, Free Cooling und Photovoltaik in einer innovativen Konfiguration. Ein besonders innovatives Element war der Einsatz eines Asphaltkollektors, der sowohl zur Regeneration der Erdsondenfelder als auch zur Reduktion des „Urban Heat Island“-Effekts beiträgt. Die Ergebnisse des Monitoring-Systems zeigen signifikante Erfolge in Bezug auf Energieeffizienz und Bewohnerzufriedenheit und bieten wertvolle Erkenntnisse für zukünftige Anwendungen in anderen Wohnbauprojekten.
Autor: Dr. Edith Haslinger, Nándor Mihály, Stephan Kling, Dr. Ahmed Serageldin, Annemarie Schneeberger, Ernst Schriefl, Felix Burian, Julian Schöberl, Helmut Schöberl, Franz Pranckl, Julia Hekerle (AIT Austrian Institute of Technology)