krafteam-banner

Fachbeiträge der bbr-Ausgabe 7+8-2026

Unterstützung bei der Umstellung von Verteilnetzen – Das Umstellhandbuch des DVGW und ein Ausblick auf das neue Arbeitsblatt G 407
Die Transformation der Gasverteilnetze ist ein zentraler Baustein der Energiewende. Mit der Novelle des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) als Umsetzung der EU- Gasbinnenmarktrichtlinie wird die Transformation der Gasnetze hin zur leitungsgebundenen Versorgung mit Wasserstoff regulatorisch verankert. Für Verteilnetzbetreiber bedeutet dies, bestehende Erdgasnetze für Biogas zu nutzen, schrittweise auf Wasserstoff umzustellen oder auch stillzulegen. Der Fachartikel beschreibt die Inhalte des neuen Technischen Umstellhandbuchs für Verteilnetze (TUHVe) und gibt einen Ausblick auf die Überarbeitung der DVGW-Merkblätter G 407 und G 408. Ergänzt wird der Beitrag durch Praxisbeispiele aus Pilotprojekten und Handlungsempfehlungen.
Autor: Björn Munko (DVGW e. V.)

 

Eine erfolgreiche Energiewende gelingt nur mit echter Sektorenkopplung
INTERVIEW: Hohe Strompreise, stockender Netzausbau und wachsende Zweifel an der bisherigen Energiewende-Strategie: DVGW-Vorstand Prof. Dr. Gerald Linke fordert einen energiepolitischen Kurswechsel. Im Interview warnt er vor den Folgen einer „Totalelektrifizierung“, plädiert für mehr Technologieoffenheit und sieht Wasserstoff sowie grüne Gase als unverzichtbar für Versorgungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit. Warum aus seiner Sicht Biomethan zur pragmatischen Brückentechnologie werden könnte, erklärt er ebenso wie die Ergebnisse der aktuellen DVGW-Wärmekostenstudie.
Interview mit Prof. Dr. Gerald Linke (DVGW-Vorstand)

 

Stahlrohre von heute – der Bestand von morgen
In Europa ist eine Transformation der Energieversorgung beschlossen. Primärenergiequelle soll dabei Strom aus erneuerbaren Energien sein. Doch alle Vorhersagemodelle kommen zu der Erkenntnis, dass Strom als alleiniger Energieträger die Versorgungssicherheit nicht darstellen kann. Entwicklungen zielen daher darauf ab, als zweiten Hauptenergieträger Wasserstoff zu nutzen. Dieser birgt gegenüber Strom den Vorteil, größere Energiemengen für den Bedarfsfall, z. B. in unterirdischen Kavernen, speichern zu können. Die mit Material aus deutscher Stahlherstellung produzierten Stahlrohre von Mannesmann Line Pipe, längsnahtgeschweißt nach dem Hoch-Frequenz-Induktions (HFI)-Verfahren, bieten dabei im Energiesektor vielfältige Einsatzmöglichkeiten und tragen so zum Gelingen der Transformation bei. Im Beitrag wird der Entwicklungsstand von HFIStahlrohren im mittleren Abmessungsbereich für die genannten Lösungen im Transport- und Speicherbereich gegeben, zusammen mit einem kurzen Überblick über die aktuellen und geplanten Normen. Komplettiert wird das Thema durch eine Erläuterung der CO2-freien Stahlproduktion am Beispiel der Salzgitter AG.
Autoren: Dr. Holger Brauer, Dr. Christoph Weil, Marcel Jost (Mannesmann Line Pipe GmbH und Salzgitter Flachstahl GmbH)

 

Einfluss von Wasserstoff auf Molchprozesse im Leitungsnetz der nächsten Generation
Die Energiewende und der steigende Bedarf an klimaneutralen Energieträgern führen zu einer zunehmenden Bedeutung von Wasserstoff (H2) im europäischen Energiemarkt. Bestehende Erdgasinfrastrukturen sollen zukünftig zunehmend für den Transport von Wasserstoff genutzt oder umgerüstet werden. In diesem Zusammenhang gewinnen Molchprozesse an Relevanz, da sie einen sicheren und effizienten Betrieb von Rohrleitungen gewährleisten. Inspektionsmolche werden für unterschiedliche Aufgaben eingesetzt, jedoch insbesondere zur Reinigung oder für intelligente Inspektionen der Rohrleitung, mit dem Ziel, unterschiedlichste Fehlstellen zu detektieren und somit einen sicheren Betrieb gewährleisten zu können. Der Einfluss von Wasserstoff auf diese Molchprozesse ist jedoch komplex und beeinflusst die technische Machbarkeit. Ziel dieses Berichts ist es, die Auswirkungen von Wasserstoff auf Molchprozesse umfassend darzustellen, die Herausforderungen und Risiken zu analysieren sowie Empfehlungen für Leitungsbetreiber darzustellen.
Autor: Alexander Miller (ROSEN Germany GmbH)

 

Transparenz im Pipelinebau: das Digital Inspection Tool
Im Zuge der Energiewende gewinnen Wasserstoffleitungen als Träger erneuerbarer Energie eine zunehmend zentrale Bedeutung. Damit steigt auch der Anspruch an Sicherheit, Effizienz und Dokumentation beim Bau solcher Trassen. TÜV NORD hat mit dem Digital Inspection Tool (DIT) eine Lösung entwickelt, die den Pipelinebau auf ein neues technologisches Niveau hebt. Das Tool verknüpft Material- und Geodaten in Echtzeit, macht sie orts- und zeitunabhängig verfügbar und sorgt für eine lückenlose, standardisierte Dokumentation. Die Innovation schaffte es im April 2025 auf die Shortlist für den H2Eco Award der Deutschen Messe und dem Deutschen Wasserstoff-Verband.
Autor: Olaf Schikorra (TÜV NORD Systems GmbH & Co. KG)

 

Das Rückgrat von Brunnen und Messstellen – Praxisbeispiele zu elektromagnetischen Untersuchungen von Stahlrohren
Die vielleicht naheliegendste Frage bei der Untersuchung von Brunnen und Grundwassermessstellen ist jene nach dem Zustand der Verrohrung. Diese soll schließlich unter anderem das gesamte Bauwerk stützen. Sowohl bei Neubaukontrollen als auch bei der Bestandsaufnahme in älteren Bauwerken besteht daher zunächst Interesse an dem planungsgemäßen Einbau der Rohre und an deren Intaktheit. Ein bekanntes Problem ist beispielsweise die fortschreitende Korrosion von Stahlrohren, die das Ende des gesamten Brunnenbauwerks bedeuten kann. Neben der Möglichkeit einer optischen Untersuchung (Fernsehsondierung) steht für die Klärung entsprechender Fragestellungen auch eine Auswahl an bohrlochgeophysikalischen Messverfahren zur Verfügung. Sie können deutlich aussagekräftigere Informationen zum Zustand der verbauten Rohre geben, als es die bloße optische Beurteilung vermag.
Autoren: Isabel Willwacher, Jan Greitzke, Dr. Gunther Baumann (Bohrlochmessung – Storkow GmbH)

 

Vom Konzept zur Anwendung: Geothermie, natürlicher Wasserstoff und Helium
Geothermie, natürlicher Wasserstoff und Helium aus einem System: Der Triple-H-Ansatz verbindet Energie- und Rohstoffgewinnung im Untergrund und setzt auf dezentrale Nutzung ohne den Gebrauch von überregionaler Transportinfrastruktur. Am Beispiel des Pilotprojekts „Kairos“ wird gezeigt, wie aquifergebundene Wasserstoffsysteme erschlossen und mit Niedrigtemperatur-Geothermie kombiniert werden können – ein möglicher Baustein für mehr Versorgungssicherheit in einem geopolitisch angespannten Umfeld.
Autorin: Dr. Barbara Steinbauer-Grötsch, Dr. Jürgen Grötsch (Tellus Energy Solutions GmbH)