Fachbeiträge der bbr-Ausgabe 9-2026
Großrohre im Kanalnetz: Risse, Risiken, Standsicherheit – was Betreiber beachten müssen
Großrohre sind leistungsstark – und risikokritisch. Wenn begehbare Hauptsammler versagen, drohen Rückstau, Überflutung, Straßeneinbrüche und hohe Folgekosten. Worauf sollen Netzbetreiber bei Bauqualität, Inspektion, Standsicherheit und Sanierung achten? Und wie lassen sich Schwachstellen im Rohr-Boden-System erkennen? Der Beitrag fasst das Wichtigste bezüglich typischer Schadensbilder zusammen und benennt Qualitätsanforderungen sowie die Entscheidungsgrundlagen für Investitionen und das Risikomanagement.
Autoren: Prof. Dr. Bert Bosseler, Martin Liebscher (IKT – Institut für Unterirdische Infrastruktur gGmbH)
Berstverfahren mit mehr Zugkraft für Kanalsanierung in Steinfeld
Im Oldenburger Münsterland wurde ein 430 m langer Schmutzwasserkanal erneuert. Die Sanierung erfolgte im Berstverfahren, bei dem das bestehende Steinzeugrohr durch ein neues Rohr aus Polypropylen ersetzt wurde – ohne offene Bauweise, sondern lediglich über punktuelle Baugruben. Erstmals setzte das ausführende Unternehmen dabei sein neues Berstsystem Grundoburst 800G ein. Dieses ermöglicht eine besonders präzise und effiziente Ausführung auch unter beengten innerörtlichen Bedingungen und starker Bodendichte.
Autor: Benedikt Stentrup (Sanierungstechnik Dommel GmbH)
Leistungsfähiger Spezialtiefbau für unterschiedlichste Anforderungen
Vier verschiedene Projektbeispiele verdeutlichen das hohe Leistungsniveau moderner Spezialtiefbauarbeiten und Gerätetechnik. Dies wird anschaulich sowohl bei der anspruchsvollen Erstellung von Schlitzwänden für riesige Kreuzfahrtschiff-Trockendocks in Genua oder bei einem Projekt mit beengten Platzverhältnissen in Taiwan mit Schlitzwandtiefen bis zu 55 m. Vorgestellt werden zudem umfangreiche Pfahlgründungen für eines der ambitioniertesten Wohnbauprojekte im polnischen Danzig sowie – als den Spezialtiefbau überschreitendes Sonderprojekt und Beweis dafür, was mit moderner Fahrzeug- und Gerätetechnik alles möglich ist – die Installation einer rund 60 Tonnen schweren Rohrbrücke über eine Autobahn in der Schweiz.
Autoren: Gregor Grießer, Wolfgang Beringer (Liebherr)
Kontraktorbeton im Spezialtiefbau: Leitfaden mit praxisnahen Empfehlungen für Planung, Ausführung und Qualitätssicherung
Die Qualität von Bohrpfählen, Schlitzwänden und anderen tiefgegründeten Bauteilen hängt maßgeblich von den Eigenschaften des eingesetzten Kontraktorbetons ab. Obwohl sich die Betontechnologie in den vergangenen Jahrzehnten unabhängig weiterentwickelt hat, passen die unveränderten normativen Vorgaben für Kontraktorbeton nicht mehr zu den komplexer gewordenen baulichen Anforderungen an den Frischbeton im Spezialtiefbau. Moderne Betonmischungen müssen nicht nur hohe Festigkeits- und Dauerhaftigkeitsanforderungen erfüllen, sondern gleichzeitig eine ausreichende Verarbeitbarkeit, Stabilität und Konsistenzhaltung während des gesamten Einbauprozesses gewährleisten. Vor diesem Hintergrund hat die gemeinsame Arbeitsgruppe Beton der European Federation of Foundation Contractors (EFFC) und des Deep Foundations Institute (DFI) den Leitfaden „Kontraktorbeton für Tiefgründungen“ (engl.: „Guide to Tremie Concrete for Deep Foundations“) erarbeitet. Ziel ist es, Planern, Bauunternehmen und Betonherstellern praxisorientierte Empfehlungen für die Auswahl, Spezifikation und Prüfung von Kontraktorbeton bereitzustellen und damit die Qualität tiefgegründeter Bauwerke nachhaltig zu verbessern.
Autoren: Dr. Karsten Beckhaus, Dr. Rabea Barhum (BAUER Spezialtiefbau GmbH)
Systematische Methode zur Baugrundverdichtung nach Rückbau des Träger-Bohlwandverbaus
Beim Rückbau der Baugrubensicherung treten im Zusammenspiel aus Ziehen der HEB-Stahlträger, dem Rückbau der Ausfachung sowie der Verfüllung und dadurch entstehender Hohlräume geotechnische und baupraktische Risiken auf. In der Historischen Mitte von Potsdam begünstigen schwierige Baugrundverhältnisse besondere Setzungsrisiken. Zum Schutz vor Nachsackung und Schäden an der Infrastruktur ist hier eine neue Methode zur Baugrundverdichtung zum Einsatz gekommen, mit der das Schadensrisiko minimiert und das Haftungsrisiko kalkulierbar verringert werden konnte.
Autoren: Rainer Dallwig, Dr. Nandor Tamaskovics (Jammy Life GmbH, TU Bergakademie Freiberg)
Optimiertes Lufthebebohrverfahren für anspruchsvolle Brunnenprojekte
Das Lufthebebohrverfahren (Air-Lift RC) etabliert sich in der modernen Brunnenbautechnik als Schlüsseltechnologie, insbesondere wenn Projekte hohe Förderleistungen, maximale Bohrlochstabilität und einen effizienten Bohrgutaustrag erfordern. Der Erfolg des Verfahrens hängt jedoch maßgeblich von der Qualität und der Auslegung des Bohrgestänges ab. Entscheidend ist dabei ein Bohrstrang, dessen Konstruktion präzise auf die spezifischen Projektanforderungen und geologischen Gegebenheiten abgestimmt ist. Die PERFORATOR GmbH zeigt anhand von zwei anspruchsvollen Projekten, wie durch spezifisch entwickelte Bohrstränge die Grenzen des technisch Machbaren neu definiert werden.
Autor: Bernd Klapproth (PERFORATOR GmbH)
Baubegleitende Maßnahmen zur Qualitätssicherung im Brunnenbau – eine Übersicht (Teil 4: Dokumentation)
In den vorangegangenen Teilen der Beitragsserie ging es um die Suche nach einem geeigneten Ingenieurbüro, der Auswahl eines geeigneten Fachunternehmens für die Ausführung und die Nutzung qualitätssichernder Maßnahmen bei der Durchführung. Im letzten Teil werden die Bedeutung der Dokumentation aller durchgeführten Arbeiten sowie die Abschlussdokumentation bzw. die Brunnenakte behandelt. Es ist kaum nachzuvollziehen, dass diese selbstverständlichen und überaus wichtigen Bestandteile einer Brunnenbaumaßnahme oft so lückenhaft bearbeitet werden.
Autor: Michael Tholen
Stand- und Ankerrohrbohrungen für eine geothermische Dublette in Potsdam
Die Dekarbonisierung der Wärmeversorgung ist eine zentrale Herausforderung für Städte und Energieversorger. Während die erneuerbare Stromerzeugung bereits stark ausgebaut wurde, gewinnt die Umstellung auf klimafreundliche Wärme zunehmend an Bedeutung. Das Potsdamer Geothermieprojekt zeigt exemplarisch, wie innovative Technologien zur kommunalen Wärmewende beitragen können. Eine Schlüsselrolle nimmt hierbei die Tiefengeothermie ein. Im Gegensatz zu anderen erneuerbaren Energiequellen stellt sie eine grundlastfähige Energiequelle dar, deren Nutzung unabhängig von meteorologischen Bedingungen möglich ist. Insbesondere für die Versorgung urbaner Fernwärmenetze bietet sie daher ein erhebliches Potenzial. Die Landeshauptstadt Potsdam verfolgt das Ziel, ihre Fernwärmeversorgung langfristig zu dekarbonisieren. Ein wichtiger Bestandteil dieser Strategie ist die Erschließung geothermischer Wärme aus mehreren Kilometern Tiefe im südlichen Stadtgebiet. Im Rahmen des Projekts sollen insgesamt vier Dubletten erschlossen werden, drei davon am ehemaligen Heizkraftwerk Süd und eine an der Gartenstraße im Südwesten von Potsdam.
Autoren: Björn Hanke, Michael Kolb (Hölscher Wasserbau GmbH)