Fachbeiträge der bbr-Ausgabe 12-2025:
SuedLink: Mammutprojekt für die Energiewende nimmt Fahrt auf
700 Kilometer Länge, tonnenschwere Kabeltrommeln, ein 190 Meter langer Bohrer für die Unterquerung der Elbe: Die für die Energiewende so wichtige Erdkabelleitung SuedLink ist ein Bauvorhaben der Superlative – planerisch, logistisch und bautechnisch. Mit der Genehmigung des letzten Abschnitts im Oktober 2025 kann nun entlang des gesamten Leitungsverlaufs gebaut werden. In einigen Regionen ist der Bau bereits weit fortgeschritten – seit 2023 rollen die Bagger. Damit SuedLink pünktlich Ende 2028 ans Netz gehen kann, gilt es, täglich neue Herausforderungen zu meistern.
Autor: Dierk Schönwald, Mathias Seibitz (Tennet TSO GmbH)
Neue Trinkwasserleitung nach Pellworm – Leitungsbau und Naturschutz im Einklang
Die nordfriesische Insel Pellworm sowie die Halligen Hooge und Süderoog sind auf eine stabile Verbindung zum Festland angewiesen – nicht zuletzt bei der Trinkwasserversorgung. Da die beiden Bestandswasserleitungen aufgrund erosiver Vorgänge im Wattenmeer nicht mehr ausreichend überdeckt und lagestabil sind, wurde 2025 eine neue Versorgungstrasse über die Hamburger Hallig erstellt. Die rund 10 km lange Leitung wurde als durchgehender PE-Strang unterhalb des sensiblen UNESCO-Weltnaturerbes Wattenmeer sowie des Nationalparks Schleswig-Holstein verlegt und vom rbv-Mitglied PAASCH Rohrleitungsbau GmbH mit maßgeschneiderten Lösungen in Logistik, Verlegetechnik und Umweltschutz realisiert.
Autor: Martin Paasch, rbv (PAASCH Rohrleitungsbau GmbH)
Hygiene als Voraussetzung für Qualität und Sicherheit in der Trinkwasserversorgung – Wissenswertes (Teil 1)
Die Bedeutung der Hygiene im Rohrleitungsbau hat sich im Laufe der Geschichte stetig (weiter)entwickelt und ist heute ein unverzichtbarer Bestandteil unserer modernen Infrastruktur, um die Qualität unseres wichtigsten Lebensmittels – des Trinkwassers – zu bewahren. Dieser Infopoint soll als Leitfaden dienen, um Fachkräften im Rohrleitungsbau eine fundierte Grundlage beim Thema Hygiene für ihre tägliche Arbeit zu bieten. Er beleuchtet die essenziellen Maßnahmen zur Vermeidung von Kontaminationen während der Planung, des Baus, der Instandhaltung und des Betriebes von Trinkwasserleitungen. Er gibt Einblicke in Themen wie Materialprüfung, Lagerung, Montage, Druckprüfung, Reinigung und Desinfektion – immer mit dem Ziel, höchste Hygienestandards zu gewährleisten.
Autor: Sven Behrmann, Kai Schnippe (Rohrleitungsbauverband e. V.)
Erweiterung der Versorgungskapazität des Wasserwerks Dresden-Hosterwitz
Die Sicherstellung einer zuverlässigen, qualitativ einwandfreien und flexiblen Trinkwasserversorgung in wachsenden Städten ist eine der zentralen infrastrukturellen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Dresden steht dabei vor der doppelten Aufgabe, einerseits die Grundversorgung der Bevölkerung dauerhaft zu garantieren und andererseits den steigenden Bedarf industrieller Großabnehmer – insbesondere aus der Halbleiterbranche – zu bedienen. Das Unternehmen SachsenEnergie erweitert daher sein historisches Wasserwerk Hosterwitz. Aufgezeigt werden die verschiedenen Phasen des Ausbaus mit Blick auf die hohen Kollisionsfaktoren der Maßnahmen und den Umbau im Volllastbetrieb.
Autor: Martin Ruppert (SachsenEnergie)
Gütesicherung zwischen Denkmalschutz und Funktionalität
In gut zwei Jahren feiert die baden-württembergische Stadt Esslingen am Neckar ihren 1250. Geburtstag. Pünktlich zu den Feierlichkeiten soll die geplante Neugestaltung des Marktplatzes abgeschlossen sein. Bevor die bauliche Umgestaltung jedoch beginnen kann, wird der denkmalgeschützte Abschnitt des Geiselbachkanals unterhalb des Marktplatzes saniert. Dabei mussten alle Beteiligten den Balanceakt zwischen Erhalt des historischen Kanals, dessen Anfänge teilweise bis in das 12. Jahrhundert zurückreichen, und den heutigen Maßstäben an die Funktionsfähigkeit eines Mischwassersammlers meistern. Umso wichtiger war hier der Gütesicherungsgedanke bei der Ausführung der Sanierungsarbeiten.
Autor: Katrin Hellmann (Güteschutz Kanalbau)
MTD® – Micro-Sidetracks für eine verbesserte hydraulische Verbindung zwischen Bohrung und Geologie im Zielhorizont
Das Fraunhofer IEG liefert mit der Micro Turbine Drilling – MTD®-Technologie einen neuartigen, nicht-konventionellen Ansatz zur Erweiterung und Optimierung der hydraulischen Anbindung von Bohrungen an das umgebende Gestein. Das Verfahren basiert auf der gezielten Erzeugung kleinkalibriger Seitenbohrungen aus bestehenden Bohrlöchern (sog. Micro-Sidetracks), welche in beliebige Richtungen und mit hoher Präzision in definierte Formationsabschnitte eingebracht werden können. Durch diese gezielten lateralen Durchörterungen von permeablen Formationsabschnitten oder Störzonen lässt sich die Kontaktoberfläche zwischen Bohrloch und Geologie signifikant vergrößern, wodurch eine verbesserte Fluidförderung in bzw. Injektion aus der Geologie ermöglicht werden kann.
Autor: Dr. Jörn Schlüsener, Niklas Geissler (Fraunhofer IEG und Fraunhofer FCC)
Das neue technische Regelwerk zur Brunnenentsandung: DVGW W 119 (A)
In der Vergangenheit wurden hinsichtlich des Sandaustrages vielfach große Erwartungen aufgebaut. Nicht jeder Aquifer lässt sich mit jedem Verfahren bearbeiten, ohne dass daraus für den Brunnen nachteilige Auswirkungen resultieren können. Der natürliche Untergrund kann bereits in geringer Entfernung in lateraler und vertikaler Richtung variieren. Für eine zielgerichtete Brunnenentwicklung sind detaillierte und aussagekräftige Ausbaudaten unerlässlich. Umfangreiche Fachkenntnisse und Erfahrungen der Planer, der Ausführenden und der Betreiber sind für die Auswahl der geeigneten Verfahren erforderlich. Eine absolute Sandfreiheit kann unabhängig von den eingesetzten Verfahren nicht erreicht werden.
Autor: Ingolf Müller, Gerhard Etschel, Ralf Moche, Dr. hermann Mikat (Trinkwasserversorgung Magdeburg GmbH, Etschel Brunnenservice GmbH, Pigadi GmbH, Hessenwasser GmbH & Co. KG)
Geophysikalische Beobachtung der Süß-/Salzwassergrenze im Liegenden eines Versuchsbrunnens
Im Rahmen der Erschließung eines tertiären Grundwasserleiters wurde eine Erkundungsbohrung niedergebracht, umfassend geophysikalisch untersucht und als Grundwassermessstelle ausgebaut. Durch die Inbetriebnahme eines nur wenige Meter entfernten, neu errichteten Versuchsbrunnens verändert sich die Mineralisation des gesamten genutzten Grundwasserleiters. Diese Änderungen werden mithilfe von regelmäßig durchgeführten Bohrlochmessungen geophysikalisch erfasst. Die im Liegenden der Filterstrecke des Versuchsbrunnens beobachteten Lageänderungen der Süß-/Salzwassergrenze erklären dabei einerseits den Salzgehalt der Wasserproben der Grundwassermessstelle. Zudem lassen sie Schlüsse zur Entwicklung der Mineralisation des Förderwassers zu und tragen so erheblich zum Prozessverständnis bei.
Autor: Falk Triller, Dr. Gunther Baumann (Bohrlochmessung-Storkow GmbH)
Wärme aus’m Pütt – Grubenwasser als saisonaler Wärmespeicher
Das Erbe des Bergbaus bleibt auch lange nach dessen Ende eine Aufgabe für Generationen. Diese jetzt mit Wasser gefüllten Hohlräume lassen sich jedoch nutzen. Für die kommunale Wärmewende werden großskalige Speicher benötigt, um Überschusswärme oder Solarthermie aus dem Sommer für den Winter zwischenzuspeichern. Das Fraunhofer IEG verbindet beide Herausforderungen und erschließt im EU-Projekt PUSH- IT ein Grubengebäude für die Versorgung des Bochumer Campus.
Autor: Stefan Klein, Elke Mugova, Jonas Güldenhaupt, Idtz Wieling (Fraunhofer IEG, Huisman Equipment B.V.)
Intelligente Hybrid-Lösung nutzt Baugrubensicherung als Energiequelle
Mit dem patentierten System TERRA-BOOSTER wurde im Projekt MECO „Weitblick“ in Stuttgart-Sonnenbühl die Baugrubensicherung gleichzeitig energetisch genutzt – ein innovativer Ansatz, der Geotechnik und Stabilität effizient vereint. Das Bauvorhaben „Weitblick“ der MECO GmbH & Co. KG in Stuttgart-Sonnenbühl umfasst die Errichtung von acht hochwertigen Eigentumswohnungen mit Tiefgarage. Die Lage im Stuttgarter Stadtteil Sonnenbühl ist durch ausgeprägte Hangtopografie und dem geologisch schwierigen Knollenmergel des Stuttgarter Keupers geprägt.
Autor: Christin Gungl, Ralf Jechalik, Adrian Motogna (GEOPUNKT Bohrtechnik GmbH / GEOPUNKT Spezialtiefbau GmbH, PGG – Projektierungsgesellschaft für Geotechnik und Grundbau GmbH)
Ozon-Biofiltration zur Aufbereitung methanhaltigen Grundwassers in Dudeștii Vechi
Im rumänischen Dudeștii Vechi wurde eine neue Wasseraufbereitungsanlage zur Behandlung von Grundwasser aus vier Tiefbrunnen errichtet. Das Rohwasser weist erhöhte Gehalte an Methan, Eisen, Mangan und Arsen sowie eine signifikante Belastung durch Kohlenwasserstoffe auf. Das Aufbereitungskonzept kombiniert Entgasung und Ozonung mit nachgeschalteter Biofiltration, ergänzt durch Speicher- und Fördertechnik. Ziel ist die sichere Entfernung der problematischen Inhaltsstoffe sowie die Bereitstellung von Trinkwasser mit stabilen chemischen und mikrobiologischen Parametern für die kommunale Versorgung.
Autor: Manfred Brugger (Hydro-Elektrik GmbH/HydroGroup)
Messtechnik zur Überwachung von Grundwasserständen in Wassereinzugsgebieten
WMD Drinking Water (WMD) aus den Niederlanden produziert über 35 Mio. Kubikmeter Trinkwasser pro Jahr. Ruinerwold ist eine von 12 WMD-Produktionsstationen, die über Tausende von Kilometern Trinkwasser durch Rohrleitungen zu den Anschlüssen transportieren. Damit die Versorgung stabil und gut funktioniert, müssen die Wassereinzugsgebiete genau überwacht werden. Wie in vielen anderen Wassereinzugsgebieten wurden dazu bis vor kurzem zweimal im Monat manuelle Sondierungen zur Messung des Grundwasserspiegels durchgeführt – immer am gleichen Tag des Monats, möglichst zur gleichen Tageszeit. Ein um die Wassereinzugsgebiete angelegtes Überwachungsnetz löst dies nun mittels digitaler Messtechnik.
Autor: Janet Kooren (Für: Keller Pressure B.V.)